Die Situation heute:
Sechs Millionen Jugendliche im Jahr brechen die Schule vorzeitig ab – das ist jeder siebte in der EU. Die hohe Schulabbruchquote droht die Auswirkungen des demographischen Wandels und damit einhergehenden Fachkräftemangels noch zu verschärfen. Der EU geht dadurch ein erhebliches Potential an Wissen und Arbeitskraft innerhalb der Bevölkerung verloren. Die sozialen Spannungen, die sich durch eine Generation in Arbeitslosigkeit ergeben werden, sind nicht zu unterschätzen. Schließlich sind 52% der Schulabbrecher ohne Arbeit.
In ihrer EU 2020 Strategie hat die Kommission das Ziel gesetzt, die Schulabbrecherquote von derzeit 14,4% auf 10% zu senken. In der Bringschuld sind die Mitgliedstaaten, die für Bildung verantwortlich sind. Sie müssen in nationalen Aktionsplänen unter Beweis stellen, dass sie die Ziele bis 2020 umsetzen können.
Auch wenn fast alle Mitgliedstaaten den Anteil der Schulabbrecher senken konnten, sind die Zahlen noch zu hoch: 19 Länder liegen über der 10-Prozent-Marke – Spanien, Portugal und Malta sogar über 30%. Deutschland befindet sich mit 11,1% im Mittelfeld. Spitzenreiter ist die Slowakei mit 4,9% Prozent.
Stand der Diskussion im Europäischen Parlament:
Am 1. Dezember 2011 nahmen die Abgeordneten die Resolution, die aus dem Bericht entstand, mit großer Mehrheit im Plenum an. Eine zusammengefasste Version in Englisch kann hier eingesehen werden. Federführender Ausschuss war in diesem Falle der CULT-Ausschuss. Im EMPL habe ich die Berichtstattung für die Stellungnahme übernommen. Das Verfahren ist mit Veröffentlichung der Resolution abgeschlossen.
Lösungsvorschläge:
Im EMPL-Ausschuss habe ich mich für folgende Punkte stark gemacht:
Um die hohe Schulabbrecherquote zu bekämpfen ist es nötig, die Mitgliedstaaten zur Handlung und dringend benötigten Reformmaßnahmen aufzufordern. Es geht hierbei sowohl im Prävention als auch um Reintegration.
Zum einen bedarf es flexiblerer und bedürfnisorientierter Formen des Lernens, sowie Lehrkräften, die entsprechend qualifiziert werden müssen. Auch die persönliche Situation der Schüler muss mehr berücksichtigt werden, um sie von Anfang an gezielter fördern zu können. Die Klassengröße scheint ebenfalls einen Einfluss auf die Motivation und Lernfähigkeit der Schüler zu haben.
Zum anderen müssen Maßnahmen getroffen werden, die Schulabbrechern eine zweite Chance eröffnen. Verschiedene (Berufs)Schulen haben hier erfolgreiche Ansätze entwickelt, die unbedingt untereinander ausgetauscht werden sollten. Allerdings müssen solche Maßnahmen zu einer Qualifikation führen und dürfen nicht dazu genutzt werden, Schüler zu “parken”.
Die Kommission wies darauf hin, dass die Schulabbrecherquote regional und sogar lokal sehr unterschiedlich ist, wir derzeit aber zu wenig über die Gründe für den Abbruch wissen. Sie schlägt daher vor, mehr Studien in diesem Bereich durchzuführen, um das Problem besser zu verstehen und damit angehen zu können.
Angesichts der derzeitigen Wirtschaftskrise, können wir uns es nicht leisten auf so viele junge Menschen zu verzichten. Die bloße Senkung der Schulabbrecherquote um nur einen Prozent würde laut EU-Prognosen einen Gewinn von 500,000 qualifizierten Arbeitnehmern zu folge haben. Um die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der EU zu gewährleisten müssen die Mitgliedstaaten gemeinsam den Schulabbruch bekämpfen. Ohne das Potenzial aller jungen Menschen in Europa zu nutzen, kann die gegenwärtige Krise nicht überwältigt und auch unser langfristiger Wohlstand hier in Europa nicht gesichert werden.
Dokumente:
- Angenommener Text (Entschließungsantrag) zur Bekämpfung des Schulabbruchs
- Entwurf einer Stellungnahme des EMPL für den Ausschuss für Kultur und Bildung zur Bekämpfung des Schulabbruchs (Verfasserin: Nadja Hirsch)


